Moments – Andrea Köllmann

Andrea Köllmann

Eröffnungsrede

Laudatio

Andrea Köllmann „Moments“

am 05.04.2023

 

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunstkantine, liebe Gäste,

willkommen im

 

Bernsteinzimmer der HafenCity!

 

Mein Name ist Roloff, Bernd Roloff, ich bin der Keynote-Speaker der Kunstkantine und darf Euch heute auf das Herzlichste begrüßen, zur sage und schreibe 82. Vernissage von Nissis Kunstkantine seit ihrer Eröffnung im März 2013.

Unsere letzte Vernissage war die 10-Jahre-Jubiläumsvernissage. Man fühlt sich aber trotzdem nicht angekommen. Nach der 81. Vernissage kommt eben die 82. Vernissage. Diesmal für die Werke von Andrea Köllmann.

Nach der Ebbe kommt die Flut. Auf den Winter folgt der Frühling. Auf den Garten kommt es an. Es ist ein guter Garten mit einer guten Gärtnerin.

Zu meiner Rechten, wie immer blond und charismatisch, meine Assistentin Betty. Wärmepumpe des poetischen Vortrags, Schild und Schwert der guten Kunst.

Unsere heutige Ausstellung steht unter dem Motto

 

„Moments“.

 

Betty und ich haben uns in dieser Kunstausstellung sofort mit einem Motiv identifiziert:

 

 

Glamourös, wie wir sind, ist dies natürlich das Werk mit dem Titel „Glamour“.

 

Wer glamourös ist, verwendet viel Zeit auf sein Aussehen und seine Gesten, seine Selbstinszenierung, bewusst oder unbewusst. Das eigene Leben soll zum Kunstwerk werden, so jedenfalls Wikipedia. Interessant ist die Darstellung des glamourösen Paares in puncto Zyklopenauge. Sie haben offenbar nur ein Auge füreinander. Mehr Augen haben sie ja auch gar nicht!

 

Dem Ratgeber aus dem Boulevard-Blatt „Bunte“ zu Liebe und Laster zufolge können Frischverliebte gar nicht anders, als sich andauernd intensiv in die Augen zu sehen. Das ist einer der wohl am meisten anziehenden zwischenmenschlichen Momente.

 

 

In diesem Kontext ist das wohl glamouröseste Paar der Literaturgeschichte zu erwähnen.

 

  1. Scott Fitzgerald und seine Frau Zelda:

 

 

 

Sie, Zelda, wurde zum stylischen Vorbild junger New Yorker Frauen ihrer Zeit.

 

Er, der Verfasser von „Der große Gatsby“, wurde mit dem Porträt einer Liebesbeziehung in der Romanvorlage für insgesamt 5 Verfilmungen über Nacht steinreich und weltberühmt.

 

Beide, F. Scott und Zelda, werden zum gefeierten Paar, auf das Wünsche, Träume und Sehnsüchte projiziert werden. Wer sich für die Story der Beiden interessiert, kann sich den Podcast mit dem Titel „Kein Himmel war uns zu hoch“ vom Deutschlandfunk anhören, der Anfang März herausgekommen ist.

 

Der Glamour steigt den Beiden ein wenig zu Kopf. Beide lieben den Alkohol und gesellige Zusammenkünfte. Er meckert „1000 Partys und nichts geschrieben“, weil sie sich langweilt, wenn er seine Prosa verfasst. Sie fokussiert sich darauf, noch im reiferen Alter eine Primaballerina zu werden. Mit 44 macht sein Herz nicht mehr mit, sie endet mit 48 bei einem Brand in einer psychiatrischen Klinik.

 

Resümee: Ihr Licht brannte kurz, aber hell.

 

Durch die Verfilmungen wurde aber der „Große Gatsby“ unsterblich.

 

Und an welchen Hauptdarsteller erinnert ihr noch als den großen Gatsby?

 

Leonardo di Caprio ist klar. Aber wer war der Hauptdarsteller in der Verfilmung von 1974?

 

Richtig! Es war Robert Redford:

 

 

 

Wir Hamburger lieben ja Robert Redford! Hat er doch hier bei uns eine Hamburgerin in der Katharinenkirche geheiratet.

 

Die Frau auf dem Foto ist übrigens nicht seine Ehefrau, das ist Mia Farrow, die kuckt, als wenn ihr gerade der Leibhaftige begegnet ist. So, liebe Cineasten, in welchem Film begegnet Mia Farrow wirklich dem Teufel?

 

Genau, in „Rosemary´s Baby“:

 

 

Ein Gleichnis zu der Filmszene mit Mia Farrows entsetzten Augen zeigt Andrea mit ihrem Werk „Dark Dreams“:

 

Das Auge als Motiv hat Andrea immer wieder fasziniert. Sie schreibt mir:

 

            „Mein erstes Werk war ein Auge. Gibt es irgendein Ding auf der Welt                das so viel auszudrücken vermag, wie ein Blick?“       

 

Vielleicht nicht ganz so viel, aber auch ausdrucksstark können die Lippen sein. Auch hier hat uns Andrea eine Auswahl zusammengestellt. Nehmen wir mal das Werk „Schachmatt“:

 

 

Es schaut ja ein Jeder von uns in eine andere Welt. Ich kann das Gemälde nicht ansehen, ohne den entsprechenden Titel von Roland Kaiser im Ohr zu haben. Das Lied kam 1979 heraus. Damals trat er testosterongesteuert im Look seiner Zeit mit geöffnetem Hemd und Goldkette auf:

 

 

Der Refrain spricht allerdings dafür, dass sie den güldenen Roland verführte:

 

„Schach Matt durch die Dame im Spiel
Schach Matt weil sie mir so gefiel
Schach Matt denn sie spielte sehr klug
Schach Matt packte mich Zug um Zug“

 

Auf dem Gemälde von Andrea sind gespitzte Lippen zu sehen. Außer, wenn sich ein Küsschen andeutet, sind gespitzte Lippen laut Experten der nonverbalen Kommunikation eher ein Zeichen der Ablehnung, bzw. der Überlegung.

Spitzt jemand im Gespräch die Lippen, auch nur ganz kurz, dann bedeutet das:

“Ich bin nicht einverstanden. Ich sehe das anders.”

In diesem Fall hilft es, eine flammende Rede zu unterbrechen und einzulenken, beispielsweise zu sagen:

“Mir ist bewusst, das ist noch nicht die finale Lösung.”

So hat man eine gute Chance, den anderen nicht ganz zu verlieren, so die Kommunikationsexpertin Doro Plutte.

Ich sehe hier keine gespitzten Lippen, also machen Betty und ich mal weiter!

 

Betty und ich sind ja Vernissagen-Profis. Auf jeder Vernissage der Kunstkantine gibt es einige Newcomer im Publikum, die den richtigen Habitus noch lernen müssen.

 

Hier ist das Zuspitzen von Lippen ein zentraler Bestandteil. In dem sagenhaften Text „Niemals über Bilder reden“ von Walter Schmidt, der im Oktober 1999 erschien, heißt es:

 

„Es empfiehlt sich ein skeptisches, besser noch leicht mürrisches, auf jeden Fall aber gelehriges Mienenspiel, das der Tragweite des Vorgangs angemessen ist. Besonders gut kommt gelegentliches Kopfschütteln mit zugespitztem Mund. Der Profi legt vor den Gemälden den Kopf leicht schief und wippt sachte in den Knien“.

 

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Hier haben wir eine Vernissage-Expertin in der richtigen Körperhaltung vor einem Gemälde. Schön anzusehen:

 

 

 

Eine gewichtige Frage auf unserem Künstlerfragebogen lautet:

 

„Trennst du dich schweren oder leichten Herzens von deinen Werken,

wenn sie verkauft werden?“

 

Andreas Antwort:

 

„In erster Linie verwirkliche ich mit meiner Arbeit meine Ideen und investiere dabei viel Liebe zum Detail. Insofern würde bei einem Verkauf die Freude überwiegen, dass es jemand anderem gefällt. Ein Verkauf schafft auch Raum für Neues.“

 

Ja, meine Damen und Herren, ich erkläre die Jagd für eröffnet! Wie wäre es z.B. mit

 

„Party“?

 

 

 

Prismatische Farbgebung im Inneren, aber bitte im goldenen Rahmen. Ein Gartenfest, so im Mai oder Juni, hoffentlich hält das Wetter.

 

Wer ist auf der Party?

 

Lernen wir den Bierkapitän dort kennen?

 

 

Bürgerlich heißt der Mann Richard Bier und hat den letzten Ballermann Award in der Kategorie „Hit Award“ gewonnen. Refrain:

 

„Hier kommt der Bierkapitän, darf ich bitte mal die Bierbäuche sehen?“

 

Da unsere Party einen goldenen Rahmen hat, treffen wir ihn auf unserer Party eher nicht. Party also nicht mit Grill und Bier, sondern mit Kaviar und

Schampus.

 

Der große Gatsby lässt grüßen.

 

Wie sind unsere Gäste angezogen? Im Zentrum steht die Farbigkeit. Die Damen kommen also z.B. im Etro-Kleid:

 

Die Herren kommen in Hoodies mit bunten Totenköpfen für 780,00 EUR aufwärts von Phillip Plein:

 

 

 

 

Beautiful people. Eine knallharte Champagnerfete. Die Gastgeberin Zelda imponiert mit einem gekonnten Toast auf den Flamingobraten als 2. Gang:

 

 

Den Rahmen des Werkes „Party“ bildet strukturiertes Blattgold. In diesem Sinne kann man Andreas „Party“ auch als Materialbild bezeichnen. Insgesamt sind Andreas Werke als Ermutigungen zu verstehen, es sich mal richtig gut gehen zu lassen. Das ist auch nötig in diesen Zeiten, in der Krieg, Inflation, Heizungsverbote, Klimakleber, Longcovid und andere Übelstände den Rahmen bilden.

 

Wir wollen einen Rahmen aus Blattgold, wie ihn Andreas Werk anbietet!

 

Für die etwas Trübsinnigeren oder die Philipp Plein-affinen hat Andrea hier auch einen Totenkopf mit Goldstaub anzubieten:

 

 

 

Memento mori, meine Damen und Herren: Bedenkt, dass ihr sterblich seid!

 

Und, meine Damen und Herren: Mors certa hora incerta  – der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss. Insofern rate ich, spontanen Kaufimpulsen unbedingt zu folgen. Das Leben ist nun mal keine Generalprobe.

 

Na, dann lasst es euch mal heute Abend gut gehen im goldenen Rahmen der Kunstkantine, bunt, wie ihr seid.

 

Bis bald in diesem Theater!

Bernd Roloff

 

Aus Datenschutzgründen werden einige Fotos nicht gezeigt. Die Setzerin