TOUCHING COLOURS
Eröffnungsrede
Laudatio
“TOUCHING COLOURS“
Regina Dyck, Christine Eickert, Anke Junge
am 08.01.2024

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunstkantine, liebe Gäste,
willkommen im
Bernsteinzimmer der HafenCity!
Mein Name ist Roloff, Bernd Roloff, ich bin der Keynote-Speaker der Kunstkantine und darf euch heute auf das Herzlichste begrüßen, zur 89. Vernissage in Nissis Kunstkantine seit ihrer Eröffnung im März 2013.
Zu meiner Rechten das Gridgirl der guten Kunst, Schild und Schwert des guten Geschmacks, die Galeriefachangestellte Betty. Falls meine Stimme schwächer wird, tauschen wir die Plätze. Dann bin ich ein Grid-Boy und halte die Exponate in die Luft.
Ja, meine Damen und Herren, die heutige Vernissage hat den Titel
„TOCHING COLOURS“
und gilt den Werken von drei Künstlerinnen,
Regina Dyck, Christine Eickert und Anke Junge.
Anke Junge hat ein Porträt eingeliefert namens „Maryen“:

das nach seiner Machart mich stark an ein Meisterwerk erinnert. „Maryen“ ist ein frischer englischer Mädchenname. Wir suchen nun das Selbstporträt eines frischen englischen Jungen!
Wer ist es, meine Damen und Herren? Es ist William Turner, ebenso wie „Maryem“ sticht das Porträt aus einem diffusen Hintergrund heraus.
Selbst die Schatten unter den Augen teilen beide Motive. Charakteristisch auch die sinnliche Darstellung des Mundes.
Als Turner das Selbstporträt malt, ist er 24 Jahre alt und ist aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten in die Royal Academy aufgenommen worden. Sein Selbstbildnis ist bis in die heutige Zeit ein Kulturträger.
Die Engländer sehen den selbstbewussten jungen Mr. Turner seit 4 Jahren auf der Rückseite des 20-Pfund-Scheines.
Die Machart, die Anke Junge für ihr Porträt gewählt hat, ist zeitlos und elegant. Da hätten wir ganz gerne mehr von. Wiedererkennungswert hat noch keinem geschadet.
In dezenter Dekonstruktion kann man ein gleichformatiges Werk namens „Loreen“ erwerben:

Das macht doch was her, meine Damen und Herren! Das Modell, das im Übrigen von Künstlern internationalen Rangs wie Picasso und Giacometti Modell saß, ist Isabel Rawthorne. Hier eine dekonstruierte Darstellung von ihr von Francis Bacon:
Wenn Sie jetzt beide Werke, „Maryen“ und „Loreen“, von Anke kaufen, können Sie Ihren Besuch Dekonstruktion erklären.
Das ist in diesen Tagen mal ein anderes Thema, als Habecks Probleme mit der Fähre. Mein Gott, ist das dämlich!
Regina Dyck hat ebenfalls ein Porträt eingeliefert mit dem Titel „Erwachen Kunstserie Purple Rain“:

wobei eine Verortung als Porträt in den klassischen Formaten Besonderheiten mit sich bringt.
Nach dem Ausschnitt ist es ein Kopfbild, aber nur ein halbes.
Nach der Ansicht ist es en face, also eine Frontalansicht.
Es ist ein sogenanntes Idealporträt, gestaltet nicht nach einer bestimmten Person, insgesamt auf Dramatik ausgerichtet.
Regina schreibt über dieses Bild:
„Das Lied Purple Rain hat mich zu dieser Bilderserie inspiriert.
Die Zeile: „Honey, I know, I know, I know times are changing
It’s time we all reach out for something new“, beschreibt die Aussage des Bildes perfekt.
Auf dem Weg zur Freiheit durch Selbstfindung – so Regina – müssen einige Hürden genommen werden. Insbesondere Gewohnheiten sind ein Hemmschuh dieser Transformation. Aber, wenn all dies genommen wurde, ist das Erwachen des Inneren Selbst das alles wert.“
Also, wenn dieser Text aus „Purple Rain“ von Prince zum Anlass genommen wird, negative Glaubenssätze zu überwinden, dann ist ein gutes Werk getan! „Purple Rain“ wurde nach meiner Erinnerung immer zum Abschluss eines Prince-Konzertes gespielt.
Ist doch schön, wenn man sich dann frei fühlt.
Legendär im wahrsten Sinne des Wortes unübertroffen ist der Auftritt von Prince beim Superbowl 2007 mit „Purple Rain“. Etwas Geschmackvolleres hat man nie gesehen. Eine Milliarde Zuschauer plus die Hunderttausend im Stadion. Ein Ausnahmekünstler ersten Ranges, mehr geht nicht.
So, und nun kommen wir mal wieder runter!
1942, Picasso wühlt in einem Haufen mit Kram. Einer plötzlichen Eingebung folgend kombiniert er einen rostigen Fahrradlenker und einen durchgesessenen Ledersattel zur Skulptur „Stierkopf“.
Wir können davon ausgehen, dass schon alles Mögliche über diese Skulptur geschrieben wurde. Wie reduziert sie ist, wie genial die Zusammenkunft der beiden ready mades Fahradlenker und Fahrradsattel zu etwas Neuem, Schönem genutzt wurde.
1942, ein Vorbote des Recyclings, genial, seiner Zeit voraus.
Das Ganze ist natürlich unendlich langweilig. Ich gehöre nun zur Generation, die Fahrradfahren gehasst hat und nicht erwarten konnte, bis man mit 15 Jahren etwas Motorisiertes fahren konnte. Und dieses ganze Reduzierte, die sogenannte „Arte Povera“. Das muss man mögen. Eine Art veganische Kunstmahlzeit. Kein Fleisch auf den Rippen.
Wie schön ist es da doch, ein opulentes Werk zu betrachten, auch auf seine Weise ein Porträt „en face“, nämlich „Blue Boy“ von Christine Eickert:

Christine schreibt in ihrem Artist Statement das Folgende:
„Ich verkörpere Authentizität und Entschlossenheit, ich nehme mir die Freiheit und den Mut meine Motive in intensive Farben zu tauchen.“
Also Christine, das ist ja eine Orgie von einem Stierkopf, das ist der Counterpart zu der Picasso-Skulptur. Wer den Kontrast liebt, kauft sich noch einen Remake von der Fahrradsattel-Konstruktion. Die Preise beginnen dort bei 250,00 Euro.
Vielleicht hat auch Jemand einen Haufen mit Kram, da kann man dann selbst tätig werden.
Ihr Lieben, danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
Bernd Roloff und Betty Köhler
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